Deutsche Erforscher Von Sibirien - Prof. Dr. Iur. Menno Aden

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Deutsche Erforscher von Sibirien
Expeditionen der Petersburger Akademie der Wissenschaften im 18.
Jahrhundert
Von A.M. Burowski, Krasnojarsk, Rußland1[1]
Übersetzt und leicht bearbeitet von Menno Aden, Essen
Von März bis Mai 2010 war ich in Krasnojarsk als Dozent. In diese Zeit fielen die
Feiern zum 65. Jahrestag des Sieges im „Großen Vaterländischen Krieg“, wie der
Zweite Weltkrieg in Russland heißt. Ich habe meine Studenten immer wieder daran
erinnert, dass die beiden Weltkriege, in denen Deutschland und Russland Gegner
waren, nur, wenn auch tragische, Unterbrechungen einer Jahrhunderte langen
Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen waren. „Wenn ich heute vor
Ihnen stehe“ - so meine Worte – „bin ich nur ein weiteres Glied in einer langen Kette
von deutschen Wissenschaftlern in Russland. Lassen Sie uns daran weiter arbeiten
zum gegenseitigen Wohl unserer Völker.“
Meine Studenten verstanden das und stimmten zu. Auch heute gibt es zahlreiche
Deutsche, die sich dieser Aufgabe widmen. Schade aber, dass so wenige Deutsche
die oft großartigen Leistungen unserer Landsleute in Russland zur Kenntnis nehmen.
Die folgende Übersetzung soll auf den Beitrag deutscher Wissenschaftler bei der
Erschließung Sibiriens hinweisen.
Dr. Menno Aden
Ausgangslage
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts sandte die Petersburger Akademie der
Wissenschaften mehrere große Expeditionen nach Sibirien. Die wichtigsten dieser
Expeditionen waren die von Daniel Gottlieb Messerschmidt (1720 -1727), die erste
(1725 – 1732) und die zweite Kamtschatka-Expedition (1733 - 1743) und dann die
Expedition von Peter Simon Pallas2[4 (1768 -1774). Diese Forscher berührten
notwendiger Weise die Stadt Krasnojarsk und hielten sich hier auf. Ziel dieser
Expeditionen war aber die Erkundung ganz Sibiriens. Die ihnen gestellten Aufgaben
waren weit gesteckt. Zu den Aufgaben, denen sich Messerschmidt widmen sollte
gehörten: Beschreibung der Völker Sibiriens, die Erforschung ihrer Sprachen,
Erdkunde, Naturgeschichte und Medizin, Altertumsdenkmäler und weiterer
Besonderheiten des Gebietes.3[2]
Für die Beurteilung der Arbeit der Expeditionsteilnehmer muss man zwei wichtige
Umstände bedenken. Erstens: Sibirien wurde im 18. Jahrhundert nicht als Teil der
zivilisierten Welt angesehen. Nach den Berichten der Forscher bedeutete das
Auftreten der Russen die Einbeziehung der einheimischen Kulturen bzw. des
asiatischen Gebiets in den Kreis der europäischen Zivilisation. Zur Zeit von
Messerschmidt folgte die russische Bevölkerung Sibiriens dem Vorbild Moskaus.
1[1] Aus: Nemzy w Sibiri - Deutsche in Sibirien : Geschichte, Sprache, Kultur. Internationale Konferenz
Krasnojarsk 13.- 16. November 2004, Krasnojarsk 2005. ISBN 5-85981-079-2. 2[4] Peter Simon Pallas (geb. 1741 in Berlin; gest. 1811 Berlin) Er wurde 1767 zum ordentlichen Mitglied der
Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg ernannt und unternahm 1768-74 und 1793/94, gefördert durch
die Zarin Katharina II., Expeditionen durch Sibirien und das südliche Russische Reich.
3[2] Messerschmidt, D.G. Forschungsreise durch Sibirien 1720 - 1727, Vo. 1-4 Berlin 1962 – 68, S. 162
Sie stand nur wenig über der einheimischen Kultur und fiel gegen die der
europäischen Völker deutlich ab. Die Kenntnis des Russen über den sibirischen
Reichtum an Bodenschätzen, seine Tier- und Pflanzenwelt mögen freilich deutlich
über dem der Einheimischen gelegen haben. Aber die Zeugnisse davon sind
naturgemäß unsystematisch und ohne Zusammenhang mit der europäischen
Wissenschaft der damaligen Zeit.
Zweitens: Es gab damals nicht die festen Grenzen zwischen Deutschland und
Russland wie heute. Auch war die nationale Zuordnung der Menschen nicht so
„politisch korrekt“ wie heute. Messerschmidt stammte aus Danzig, war also in
derselben Weise Pole wie Nikolaus Kopernikus, da sein Geburtsort damals unter der
Oberhoheit der polnischen Krone stand, die allerdings ihrerseits in der Hand eines
Deutschen, des Kurfürst von Sachsen, war. Viele bedeutende Personen, die wir
aufgrund ihrer Herkunft und kulturellen Einbindung als Deutsche ansehen dürfen,
etwa die Baltendeutschen, waren seit langem Untertanen des Zaren. Dazu gehörte
die Familie von Sergej Witte (1849 - 1915), dem Schöpfer der Transsibirischen
Eisenbahn. Die aus Deutschland nach Russland Eingewanderten blieben oft noch in
zweiter und dritter Generation im kulturellen Sinne Deutsche, wie etwa der in
Moskau geborene erste Präsident der Akademie der Wissenschaften L. Blumentrost
( 1692 – 1755). Manche Deutsche assimilierten sich sofort, wie etwa Zarin Katharina
II und ihre geblütsmäßig rein deutschen Nachkommen auf dem Thron.
Die Mehrheit der dreihundert Gelehrten, die Mitglieder der Petersburger Akademie
der Wissenschaften geworden waren und den Ruhm der russischen Wissenschaften
begründet hatten, kamen aus Preußen, so Peter Simon Pallas oder den
verschiedenen deutschen Fürstentümern, kehrten dahin aber nicht zurück und
wurden russische Untertanen. Das Ansehen eines Deutschen im Russischen Reich,
zumal eines deutschen Wissenschaftlers, überhaupt die Gesamtheit der
europäischen Zivilisation gaben die Gewissheit, dass kein Deutscher weder für sich
selbst, noch für seine Nachkommen irgendeinen Nachteil dadurch erleiden würde,
wenn er russischer Untertan wurde.
Daniel Gottlieb Messerschmidt4
Daniel Gottlieb Messerschmidt wurde 1685 in Danzig geboren. Er war ein deutscher
Mediziner und Botaniker in russischen Diensten, regte Zar Peter I. an, Russland zu
erforschen, war Leiter der ersten wissenschaftlichen Expedition nach Sibirien,
Begründer der russischen Altertumswissenschaften, Entdecker von
Steinzeichnungen. Messerschmidt war Deutscher, aber er widmete Russland sein
ganzes Leben und war in seinem Vaterland so gut wie unbekannt, wo kein Bedarf
für seine Fähigkeiten bestand. Seine Arbeiten blieben unvollendet und wurden
niemals vollständig veröffentlicht. Sie wurden aber, wenn auch erst nach seinem
Tode, noch im 18. Jahrhundert veröffentlicht und hinterließen ihre Spuren.
Messerschmidt hatte alle Anlagen zum großen Naturforscher, aber er wurde vom
Unglück verfolgt. […]
4 Folgendes ist eine gekürzte Übersetzung aus dem russischen Wikipedia-Eintrag über
Messerschmidt.
Auf Einladung des Zaren kam Messerschmidt im April 1718 in St. Petersburg an, um
eine Sammlung aufzubauen und um die Naturreichtümer Russlands zu erforschen.
Er war damals ein junger, der Wissenschaft leidenschaftlich ergebener Mann.
Stellenjägerei (Anm.: wie sie damals vielen Ausländern in Russland nachgesagt
wurde) lag ihm, wie überhaupt das praktische Leben fern; er war reiner
Wissenschaftler. […] Im Juli desselben Jahres brach er mit einer russischen Flotte
nach Kap Hanko auf und besuchte Finnland.
Sibirische Expedition
Im Anschluss an ein etwa einstündiges Gespräch mit Peter I. am 5. November 1718
erließ Peter eine Weisung (russ. ukas) betreffend die Aussendung des Doktors
Messerschmidt nach Sibirien, zur Aufsuchung sämtlicher Besonderheiten und zu
Heilzwecken nützlicher Dinge: Kräuter, Blumen, Wurzeln, Sämereien und anderer
heilkräftiger Gegenstände.
Nach dem mit ihm geschlossenen Vertrag war Messerschmidt verpflichtet, nach
Sibirien zu reisen, um dessen Geographie aufzunehmen, und zwar in folgendem
Umfang: Naturgeschichte, Medizin, Heilgewächse, Ansteckungskrankheiten,
Denkmäler, Altertümer, Ethnographie, und überhaupt alles Auffällige. Später erteilte
die Medizinische Kanzlei, der Messerschmidt unterstand, noch den Auftrag, die
Mineralien und die Tierwelt zu beschreiben, Handschriften zu sammeln,
archäologische Denkmäler zu erkunden, sowie auch die Sprachen Sibiriens.
Messerschmidt erkundete Westsibirien im Becken der Flüsse Ob und Irtysch. Er
beschrieb die einheimischen Völkerschaften sowie die russischen Dörfer und Städte.
Von 1720 bis 1723 arbeitete er im Bereich des Jenisseis. Er war der erste, der
Längen- und Breitengrad der Stadt Krasnojarsk bestimmte. […]
Nach acht Jahren kam Messerschmidt nach St. Petersburg zurück. Seine Reise fällt
völlig aus dem Rahmen, sowohl hinsichtlich der ihm gestellten Aufgaben als auch
hinsichtlich der Masse des von ihm eingebrachten Materials. Er konnte aber seine
Ergebnisse nicht aufarbeiten. Es gab Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten. Von
der Reise war er krank und nervös zurückgekommen. Sein Leben endete unschön.
Dank wurde ihm nicht gespendet. Er ging zunächst nach Danzig zurück, verlor aber
durch ein Schiffsunglück sein Vermögen. Später kam er erneut nach St. Petersburg,
wo es ihm aber nicht gelang, eine passende Anstellung zu finden. Er starb 1735 in
Armut in St. Petersburg. Ein großer Teil seines Materials ging 1747 bei einem Brand
in der Akademie der Wissenschaften verloren.
Erste Kamtschatka-Expedition
An der ersten Kamschatka-Expedition von 1725 bis 1732 nahmen mehrere
Professoren und Assessoren der Akademie teil, hauptsächlich Marineoffiziere. Ihr
Aufgabenbereich beschränkte sich auf das Küstengebiet des Stillen Ozeans, auch
in Amerika, also dem heutigen Alaska. Die Wissenschaftler, insbesondere Peter
Simon Pallas ( 1741- 1811) aus Berlin und Georg Steller (1709 – 46) aus Franken,
überschritten ständig die Grenzen ihres förmlichen Auftrages. Beide, bei uns in
Deutschland fast unbekannte Forscher, haben schier Unglaubliches geleistet und
wären einer eigenen Beschreibung würdig.
Zweite Kamtschatka-Expedition
Die zweite Kamtschatka-Expedition von 1733 bis 1743, die so genannte Große
Nordexpedition, findet in einem erheblich größeren Maßstab statt. Die vier
Abteilungen dieser Expedition wurden von ethnischen Russen und Deutschen in
russischen Diensten geleitet. Zu ihren Aufgaben gehörte nicht die wissenschaftliche
Beschreibung Sibiriens, sondern die Zusammenstellung von Karten, die einfachste
Erfassung dessen, was bereits russisches Staatsgebiet geworden war, sowie auch
die Feststellung, inwieweit bekannte Umstände auf den Karten etwa nicht vermerkt
waren.
Zur wissenschaftlichen Abteilung diese Expedition gehörten die Professoren
Gmelin, Müller, Lindenau, Fischer, Steller sowie Kramennikow, Popow, Gorlanow,
Tretjakow und Iwanow. Die Leistungen dieser Abteilungen während der zweiten
Kamtschatka-Expedition übersteigen buchstäblich die Grenzen des physisch
Möglichen. Hier passt die Episode, wo Vitus Bering5[3] entschied, Steller nur für
sechs Stunden auf der Insel Kaljak abzusetzen. In dieser Zeit schaffte es Georg
Steller, fünfhundert Pflanzenarten zu erfassen; heutige Forscher finden auf Kaljak
nur noch dreihundertfünfzig. Außerdem schaffte Steller es noch, einen Bären zu
erlegen und zu präparieren, in einem Dorf der Indianer (indeizew) eine große
Sammlung von Holz- und Ledergerätschaften zusammenzustellen, die noch heute in
der Kunstkamer (russ, sic) aufbewahrt werden.
Es ist festzuhalten, dass die Ergebnisse aller Expeditionen tatsächlich zu ganz
außerordentlichem Material für die Wissenschaft führten.
5[3] Der dänische Expeditionsleiter, nach dem dann die Bering – Strasse benannt wurde.

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